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Österreich - Kommerz total

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Zyleta
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Österreich - Kommerz total

Beitrag von Zyleta » 20. Jun 2003, 15:51

Traurig, traurig, gefunden im Blue-Side Forum (Quelle: www.sc-interwetten.com):

Der österreichische Ball ist unrund – jetzt hab ich doch glatt vergessen wie ich heiß

Geld regiert die Welt. Also auch den Fußball. Österreich darf und will vor allem in dieser Hinsicht natürlich keine Ausnahme machen. Im Gegenteil. Die Alpenrepublik scheint in Europa der Gipfel der fußballerischen Kommerzialisierung zu sein. Es geht primär ums Geschäft, zweitens ums Geschäft, und so nebenbei ums Geschäft. Pseudo-wirtschaftliche Schlagworte wie Werbewerte, Quoten, TV-Gelder, Transferrechte, Vermarktung und Synergieeffekte prägen den ballesterischen Diskurs der Funktionäre, die mittlerweile auch schon zu Würdenträgern upgraded wurden und sich deshalb ehrenvoll Manager oder Sportdirektoren titulieren dürfen. Ehre, wem keine Ehre gebührt. Von Abseits und Doppelpass redet keiner. Und von den Fans schon gar nicht.
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Es gibt im österreichischen Fußball nichts, mit dem kein Geschäft zu machen ist. Nicht einmal der Name der obersten Spielklasse ist den Bundesliga-Verantwortlichen heilig. Kein unantastbares Sakrileg wie die italienische Serie A, die spanische Primera Division, die deutsche Bundesliga. In Österreich sind Namen nur Schall und Rauch. Vergänglich also. Dazu da, um verändert zu werden. Um daraus Profit zu erzielen. Die besten österreichischen Teams spielen seit einigen Jahren in der max.Bundesliga (benannt nach einem Handybetreiber), mittlerweile wurde die 1. Spielklasse auf den klingenden Namen T-Mobile-Liga umgetauft. In einigen Jahren wird vermutlich in der Maggi-Liga gekickt.

Doch wer zahlt schafft an. Also darf in Österreich auch kein Verein für einen anderen Handybetreiber Werbung machen. Fehlt nur, dass auch noch den Fans vorgeschrieben wird, in welchem Netz sie zu telefonieren haben. Es wird ohnehin schon genug auf den Köpfen der österreichischen Anhänger herum getrampelt. Und über die Köpfe der treuesten und ehrlichsten Stadionbesucher hinweg entschieden.

Tradition verpflichtet nicht. Der österreichische Fußball ist der lebende, leider nicht lebendige, Beweis. Altehrwürdige Klubnamen werden im Fünf-Jahres-Rhythmus geändert, Emblems und Logos ausgetauscht, Vereinsfarben kurzerhand geändert. Die Sponsoren wollen das, also will es auch der Verein, was die Fans wollen, ist freilich egal. Sie werden nicht gefragt, sie sollen nur brav im Stadion stehen und die neufarbigen Fanartikel kaufen, die mittlerweile auch schon neudeutsch Merchandising-Produkte heißen. Tradition und Fans sind zum Spielball für profitgierige Manager und quotengeile Sponsoren geworden.

Ein besonderes Beispiel für die österreichische Kontinuität im Austausch von Vereinsnamen und Symbolen:

Der FC Wacker Innsbruck (gegründet 1913) wird ein Traditionsklub genannt, obwohl er eigentlich schon lange keiner mehr ist. Denn eigentlich existiert der Verein nicht mehr, auch wenn sein Name im Vereinsregister mittlerweile wieder aufscheint. Der Spitzenfußball in Innsbruck ist mit Wacker (Vereinsfarben: schwarz-grün) eng verbunden. Schon in den 70ern fusionierte Wacker mit Wattens, um wenig später die Kooperation wieder so schnell zu beenden, wie sie ins Leben gerufen worden war.

1985 folgte dann das erste Aus für Wacker Innsbruck. Der Verein wurde vom FC Tirol in der Bundesliga abgelöst, der Traditionsklub verschwand in den Niederungen der Amateurliga, während Spieler und Fans in blauweiße Dressen schlüpfen mussten.

Nach sechs Jahren war der Spuk zu Ende, wurde aus dem FC Tirol wieder Wacker Innsbruck. Wenig später hieß der Verein FC Capillaris (ein Haarwuchsmittel) Innsbruck, dann FC Innsbruck Tirol, dann FC Tirol, zu guter vorletzt FC Tirol Milch und schließlich bis zu seiner Auflösung im Juni 2002 wieder FC Tirol.

Die Liste der österreichischen Fußballsünden ist beliebig erweiterbar.

* Die rivalisierenden Linzer Bundesligavereine LASK und VOEST Linz fusionieren

zum Ärger der Fans

* Der SC Untersiebenbrunn verkauft seinen Vereinsnamen an den Meistbietenden und heißt deshalb nur mehr SC Interwetten.com, aus Pasching wird der SV Pluscity.

* Wacker Wien fusioniert erst mit Admira, dann mit Mödling, schließlich noch mit Gerasdorf und wechselt mehrfach das Heimstadion.

* Die Vereine wechseln ständig ihren Namen, weil sie sich an die Sponsoren verkaufen. Das schlechte Beispiel macht leider Schule. Da wird aus Sturm Graz der SC Puntigamer Sturm, aus Ried Josko Ried, aus Kärnten Kelag Kärnten, aus Admira der VFB Admira Herold Wacker/Mödling. Fans brauchen nicht nur eine Eselsgeduld, sondern auch ein gutes Erinnerungsvermögen, damit sie überhaupt unfallfrei die seltsamen Namensgebilde aussprechen können. Zum Glück sind die Anhänger von den Sponsoren nicht so leicht manipulierbar wie die Vereinsverantwortlichen. Und deshalb wird in Österreich zumindest noch nicht Hier regiert der SC Puntigamer Sturm angestimmt oder ein einfaches VFB Admira Herold Wacker Mödling als Schlachtruf skandiert... Wobei’s den Sponsoren sicher nicht unrecht wäre.

Die Liga macht den Wahnsinn nicht nur mit. Sie ist sogar Vorreiter. Es dreht sich nur ums Geld, nicht ums lederne Rund. Fünf Partien sind scheinbar zu viel für eine einheitliche Terminisierung. Deshalb wird auch munter der kleine österreichische Spieltag auf 24 Stunden aufgeteilt. Drei Spiele Samstags um 15.30 Uhr, eines um 16.30, das letzte am Sonntag. Das Fernsehen will’s so, also spielen die Bundesliga und die Vereine mit.

Nicht zuletzt die Spieler, die in Österreich kickenden Litfasssäulen gleichen. Drei Sponsoren auf der Hose, einer vorne, zwei hinten, ein Werbelogo auf der Brust, eines am Rücken, am Hals, an den Ärmeln, an den Socken. Es gibt keinen unberührten Fleck mehr auf den österreichischen Kicker-Trikots.

Doch innovativ wie die Chefs der T-Mobile-Liga nun einmal sind, werden sie sicher neue Möglichkeiten finden, um das Geschäft Fußball weiter anzukurbeln und den Werbewert zu steigern. Spieler werden sich irgendwann einmal Firmenlogos auf die Stirn tätowieren müssen und Kappen tragen – am besten mit einer langen Quaste. Der Rasen wird aufgeteilt in verschiedene Sponsorzonen („und hier ein Foul im Gösser-Strafraum“), über jedem Stadion werden Hunderte Flieger mit Werbebotschaften kreisen.

Und der Fan? Der soll gefälligst ins Stadion kommen. Artig zujubeln. Und am besten auch noch gleich alle Werbeprodukte kaufen. Fußball muss ja ein Geschäft bleiben
szar Ferencváros!


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